*Ultrà Biblioteka*

Posts Tagged ‘Zensur’

Ein glänzendes Plädoyer für Eigenverantwortlichkeit…

In Bib ’n’ Roll on 7. Mai 2013 at 18:32

Unter dem Titel: „Alles Grauzone!“ – Bibliotheken in die Pflicht nehmen  findet sich beim Blog „Lauter Bautz’ner“ ein Erlebnisbericht , der auf wunderbare Weise den Bogen schlägt von Kommunalpolitik über Jugendschutz und Musik zu bibliothekarischer Verantwortung. Er zeigt insbesondere auch (ohne es deutlich erwähnen zu müssen), dass die Zensurdebatte – wie in der letzten BuB – vom falschen Ende her geführt wird.

Es geht in diesen Diskussionen zumeist nur um den Zugang zu Informationen und negiert – was einer meiner persönlichen Haupfvorwürfe an meinen eigenen Berufsstand ist – die Verantwortlichkeit für die Wirkung der Medien. Bei Social Media fällt uns das alles ganz leicht, da finden sich Anleitungen zum sicheren Umgang mit eigenen Daten usw., für den Umgang mit menschenverachtenden Medien fehlt fast jede (berufs-)öffentliche Diskussion.

Ein Plädoyer solcher Art findet man im Raum bibliothekarischer Arbeit in Öffentlichen Bibliotheken viel zu selten* . Somit also eine ganz klare Leseempfehlung (wie so oft schon) für den „Lauter Bautz’ner“-Blog.

DonBib

*außer hier im Blog selbstverständlich (HÖHÖHÖ)

Zu kurz gedacht – Anmerkung zur Stadtbibliothek Greifswald

In Farbwechsel on 5. Juli 2012 at 08:58

Seit einigen Tagen rumpelt es in Greifswald. Die Bibliotheksleiterin der Stadtbibliothek Hans Fallada in Greifswald, Angelika Spiecker, muss sich aktuell den Vorwurf der Zensur anhören. Grund hierfür ist, dass die linke Tageszeitung „Junge Welt“ nun nicht mehr Teil des Bibliotheksbestandes ist. Prinzipiell ist das ja – die Verringerung des Zeitungs- oder Zeitschriftenbestandes – ein üblicher Vorgang. Begründet wurde dieser Vorgang durch die Bibliotheksleitung hier aber mit der „Akzeptanz von Gewalt zur Umsetzung politischer Ziele“ innerhalb der Zeitung. Nun ist das ja schon eine etwas merkwürdige Begründung. Ich meine mich zu erinnern, dass der ja so heiß geliebte Bundespräsident Joachim Gauck ähnliches neulich bei einem Besuch der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg formulierte:

Die Abscheu gegen Gewalt sei zwar verständlich, und Gewalt werde immer ein Übel bleiben, sagte Gauck in Hamburg. „Aber sie kann – solange wir in der Welt leben, in der wir leben (…) – notwendig und sinnvoll sein, um ihrerseits Gewalt zu überwinden oder zu unterbinden“
(Quelle: Der Spiegel)

Das ist natürlich jetzt blöd gelaufen für die Bibliotheksleiterin. Aber auch darüber kann man hinweg sehen. Ich z.B. teile den Gedanken des Bundespräsidenten überhaupt nicht, seine Aussagen sind auch z.T. sehr kritisiert worden und es bleibt letztlich bloß eine Meinung. Was jetzt das eigentliche Problem darstellt ist der dem angefügte Satz der Bibliotheksleiterin:

„Grundsätzlich werden in der Bibliothek keine extremistischen Publikationen gleich welcher Couleur angeboten.“

Ein schöner Satz, den ich dann gleich mal überprüfen wollte. Was eignet sich dann an dieser Stelle besser als unser altbekannter Freund: Udo Ulfkotte und sein Lieblingsverlag: der Kopp-Verlag (wer genaueres über beide wissen möchte, der lese bitte in unserem alten Blogeintrag nach: HIER). Und jetzt passiert natürlich was ganz blödes. Die Bibliothek hat selbstverständlich Udo Ulfkotte, in diesem Fall mit seinem „Meisterwerk“ – SOS Abendland : die schleichende Islamisierung Europas – erschienen im Kopp-Verlag, im Bestand. Ich zitiere aus der Annotation im Web-OPAC, die dem Verlagstext entspricht:

In diesem Buch lesen Sie, was die Islamisten gerne vor Ihnen verborgen hätten. Es ist die wohl erschreckendste Chronologie über die Ausbreitung des Islam in Europa. Hier lesen Sie aber auch, was Ihnen die deutschen Massenmedien verschweigen. Fakten, die Ihnen den Atem stocken lassen – in einer Fülle, die erdrückend ist. Was schon lange prophezeit wurde, scheint nun finstere Realität zu werden: der Untergang des Abendlands!
(Quelle: Web-OPAC der Stadtbibliothek)

Die Annotation kann man so auch als Empfehlung der Bibliothek verstehen. Jetzt hat die Leiterin der Stadtbibliothek natürlich ein Problem: ihre Begründung von oben zieht gar nicht, weil sie nachweislich unwahr ist. Damit muss sie sich zwar nicht den Zensurvorwurf gefallen lassen, eine Bibliothek kann keine Zeitungen zensieren, aber sie muss sich den Vorwurf der Lüge und den Vorwurf des unbegründet politisch motivierten Handelns gefallen lassen.

Der ganze Vorgang zeigt erneut, dass es einen feststellbaren Mangel an Kenntnissen bilbiothekarischer Ethik gibt und einen absolut krassen Mangel an Beschäftigung mit der Frage: was will unsere Bibliothek und wie ist sie demokratisch legitimiert bzw. legitimiert sie sich selbst demokratisch. Außerdem zeigt es einen absoluten Mangel an der Kenntnis des eigenen Bestandes und an der Wahrnehmung rechtsextremer Literatur.

DonBib

Banned Books Week – in vier Tagen gehts los!

In Dutt Up! on 20. September 2011 at 18:17

Ich möchte noch mal die „Banned Books Week“ in Erinnerung rufen, die in vier Tagen startet! Geschrieben haben wir hier auf *Ultrà Biblioteka* ja bereits über diese Woche gegen Zensur in den USA, daher hier nur ein paar „nette“ Kleinigkeiten, die wir dazu noch gefunden haben.

1. Eine Karte mit den Orten und den Fakten bekanntgewordener Fälle von Zensur:

 

2. Die offizielle Homepage der „Banned Books Week“

3. Ein Promovideo

 

Also drückt den Kolleginnen und Kollegen dort drüben die Daumen und vor allem: auch hier die Augen auf halten, es gibt und gab auch in diesem Land bereits Eingriffe in die Arbeit von Bibliotheken!

DonBib

Banned Books Week: 24. September − 1. Oktober 2011

In Dutt Up! on 18. August 2011 at 08:38

Durch einen aktuellen Artikel im Spiegel bin ich mal wieder auf die „Banned Books Week“ gestoßen. In der (großartigen) Geschichte, die Arthur Conan Doyle 1886 verfasste,

[…] geht es in einer Passage auch um eine erzwungene Heirat im Mormonen-Milieu. Das empfanden die mormonischen Eltern eines Kindes im Bezirk Albermale im US-Bundestaat Virginia als herabwürdigend und beschwerten sich zusammen mit anderen Eltern. Ein Ausschuss der Bezirksschulbehörde gab ihnen recht, das Buch wurde vom Lehrplan der Schule gestrichen. (Quelle: Der Spiegel)

Damit fügt sich diese Geschichte in eine lange Reihe ähnlicher Vorfälle und Vorgänge ein, die die American Library Association bereits 1982 veranlasste die „Banned Books Week“ ins Leben zu rufen. In dieser „Banned Books Week“ soll dem Betreiben Bücher zu verbieten oder zu verbannen öffentlichkeitswirksam entgegengewirkt werden.

Die ALA unterscheidet zwischen Büchern, die „angefochten“ (challenged), deren Verbannung also beantragt wurde und solchen Titeln, die Schulen und Bibliotheken  tatsächlich entfernen. Die tatsächliche Zahl schätzt der Verband mindestens vier bis fünf Mal so hoch ein. Hauptopfer all dieser Beschwerden sind Schulen und Schulbibliotheken (70 %) sowie öffentliche Bibliotheken (25 %).

Haupttäter sind mit zwei Dritteln aller Anträge die Eltern, gefolgt von Bibliotheksbenutzern und Special-Interest-Gruppen. Auch Minderheiten-Vertreter wie die Nationale Gesellschaft zur Förderung Farbiger gehen gegen Bücher vor, die ihrer Meinung nach „nicht zum Selbstbewusstsein afroamerikanischer Schüler beitragen“. Sehr aktiv sind auch christlich-konservative Vereinigungen, wie diverse Lehrer-Gebets-Gruppen. (Quelle: Hoeb4U)

Grund genug auch hier die diesjährige „Banned Books Week“ zu erwähnen, die vom 24. September − 1. Oktober 2011 stattfindet.

Eine Wanderausstellung  mit dem Namen „Banned Books in USA“ wird bis zum Frühjahr 2012 in acht Bibliotheken Hamburgs gezeigt – ein sehr schönes Projekt wie ich finde.

Hier findet sich im Übrigen die „Yearly Lists of Challenged and/or Banned Books“: KLICK MICH!

DonBib

PS Ach ja: auch in Deutschland gibt es Bürgermeister, die ihrem bibliothekarischen Leitungspersonal die Anschaffung bestimmter Werke untersagen!