*Ultrà Biblioteka*

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Das große Ganze

In Dutt Up! on 14. Mai 2013 at 12:06

Im ersten Entwurf für diese Dienstags-Pöbelei stand als Titel „Schluss mit dem Technik-Populismus“.

Woher kam dieser sich in der ersten Idee für eine Überschrift wiederspiegelnde Aufreger? Natürlich aus der BuB – wie so oft. Was mich dann da aufregt sind gar nicht die Inhalte die dort stehen, sondern die vielen Dinge die dort nicht stehen. Exemplarisch dafür ist – und es tut mir ein bißchen leid, dass es schon wieder ihn trifft – der Artikel „Apps downloaden ist wichtiger als RAK“ von Christoph Deeg (das gleiche gilt für den Artikel von Boris Hänßler, der fühlt sich an als hätte mir jemand das Internet ausgedruckt). Nachdem ich den Artikel fertig gelesen hatte, blieb kaum mehr als pure Ablehnung übrig (obwohl ich gerade den Teil des Satzes „[…] ist wichtiger als RAK“ immer unterschreiben würde). Den Rest des Beitrags lesen »

Ein glänzendes Plädoyer für Eigenverantwortlichkeit…

In Bib ’n’ Roll on 7. Mai 2013 at 18:32

Unter dem Titel: „Alles Grauzone!“ – Bibliotheken in die Pflicht nehmen  findet sich beim Blog „Lauter Bautz’ner“ ein Erlebnisbericht , der auf wunderbare Weise den Bogen schlägt von Kommunalpolitik über Jugendschutz und Musik zu bibliothekarischer Verantwortung. Er zeigt insbesondere auch (ohne es deutlich erwähnen zu müssen), dass die Zensurdebatte – wie in der letzten BuB – vom falschen Ende her geführt wird.

Es geht in diesen Diskussionen zumeist nur um den Zugang zu Informationen und negiert – was einer meiner persönlichen Haupfvorwürfe an meinen eigenen Berufsstand ist – die Verantwortlichkeit für die Wirkung der Medien. Bei Social Media fällt uns das alles ganz leicht, da finden sich Anleitungen zum sicheren Umgang mit eigenen Daten usw., für den Umgang mit menschenverachtenden Medien fehlt fast jede (berufs-)öffentliche Diskussion.

Ein Plädoyer solcher Art findet man im Raum bibliothekarischer Arbeit in Öffentlichen Bibliotheken viel zu selten* . Somit also eine ganz klare Leseempfehlung (wie so oft schon) für den „Lauter Bautz’ner“-Blog.

DonBib

*außer hier im Blog selbstverständlich (HÖHÖHÖ)

Bibliothekarisches Eigentor

In Farbwechsel on 24. Januar 2013 at 07:37

Ist es nicht bitter, wenn politische Entscheidungen zu Stadtteilbibliotheksschließungen mit dem selben oberflächlichen Geseier begründet werden, das der eigene Berufsstand seit Jahren betreibt?

Hintergrund: Relativ wenige Nutzer in den Stadtteilen 

Im Vergleich zu den zentralen Büchereien in der Innenstadt sei der Betriebsaufwand für die drei Stadtteilbibliotheken angesichts der Nutzerzahlen dort zu hoch, argumentiert der Magistrat. Auch die bestfrequentiere Stadtbücherei in Wilhelmshöhe erreiche mit 10 127 Besuchern pro Jahr nur einen Bruchteil des Publikumsaufkommens der Zentralbibliothek, die jährlich von 161 740 Nutzern besucht werde. Noch niedriger lägen die Besucherzahlen in Kirchditmold (8851) und in Fasanenhof (5577 Besucher). Jede Öffnungsstunde dort koste die Stadt etwa 220 Euro.  In der Altersgruppe der unter 20-Jährigen sind nach Angaben der Stadt 311 Personen als Nutzer der Bücherei in Wilhelmshöhe registriert, 273 in Kirchditmold und 145 in Fasanenhof. Über 60 Jahre alt sind 80 in Wilhelmshöhe angemeldete Nutzer und 34 in Fasanenhof – aus Kirchditmold liegen für diese Altersgruppe keine Zahlen vor.
(Quelle: Hessische/Niedersächsische Allgemeine)

Schon doof oder? Berechtigte Kritik am Hintergrund der Diskussion, dem Kommunalen Schutzschirm, soll hierbei jetzt mal unerwähnt bleiben (aber gleichwohl nicht vergessen werden). Es interessiert irgendwie niemanden, was die Bibliotheken für einen Nutzen haben. Wieso sollte die Politik sich diese Frage auch stellen, wir haben ihnen ja gut beigebracht, dass sich unser Wert für die Gesellschaft aus den statistischen Zahlenwerken ergibt (siehe BIX).

Nicht unerwähnt lassen möchte ich hierbei aber das erfreuliche Bürgerbegehren (HIER) gegen die Schließungen (Zeitungsartikel HIER und HIER).

Es bleibt dabei, wir sollten die Diskussion über bibliothekarische Rechtfertigungsmuster noch einmal von vorne beginnen.

DonBib

Das große Wort: Demokratie – hier mal für Bibliotheken

In Farbwechsel on 13. Januar 2013 at 00:08

In meinen Beiträgen und Kommentaren finden sich immer wieder Verweise und kleine Hinweise, in denen in verschiedensten Formen das Wort Demokratie auftaucht. Für manche mag es nach albernem Pathos klingen, um die Wichtigkeit der Beiträge zu überhöhen. Andere fragen sich vielleicht, was jetzt bitte wählen gehen mit Bibliotheken zu tun hat. Wieder andere denken an die „Demokratisierung des Wissens“ und wundern sich über die losen Zusammenhänge hier.

Um nun die Gedankengänge ein bißchen zu verdeutlichen, werde ich einen Schritt zurück gehen und beim Studiengang anfangen. Nach dem der Dipl. Bibl.  in Sack und Tüten war, stellte sich schon die Frage: wie nun weiter? Lust auf die allgemeinen eher verwaltenden Aufgaben in Bibliotheken war nun nicht wirklich da (ich beziehe mich im Übrigen fast immer auf Öffentliche Bibliotheken). Das bibliothekarische Studium selbst hat auch nicht wirklich zu mehr aufgerufen – eher niedrigschwellig und oberflächlich war es. Also erstmal arbeiten und gucken was es gibt. Über viele Irrungen und Wirrungen ergab sich dann (dank des Hinweises eines großartigen Bibliothekars 😉 ) die Möglichkeit an der FU Berlin den weiterbildenden Masterstudiengang „Demokratiepädagogische Schulentwicklung und Soziale Kompetenzen“ zu besuchen. Klingt erstmal nicht nach: oh braucht man als Bibliothekar. Liest man sich den einleitenden Text auf der Homepage durch, wird aber einiges deutlich:

  • Das Studienangebot ist eine Antwort auf die Anforderungen, die gegenwärtige Reformvorhaben an die Akteure im Umfeld der Schulen stellen. –> also auch an Bibliotheken!
  • Der Studiengang nimmt die Schule als Ort demokratischen Lernens in den Blick und vermittelt den Teilnehmenden Kompetenzen, die eine kooperative Entwicklung der Schule zu einem demokratischen Lebens- und Lernort ermöglichen. –> Erkenntnis: das brauchen Bibliotheken auch!
  • Im Mittelpunkt des anwendungsorientierten Curriculums steht die Auseinandersetzung mit der professionellen demokratiepädagogischen Entwicklung einer Schule und der Gestaltung von Lernarrangements zur Förderung sozialer Kompetenzen. –> Klar – wollen wir in Bibliotheken auch!

Drei Sätze zum Inhalt – drei Volltreffer. Was mir dort dann begegnete, was das Gegenteil des vorangegangenen Studiums: an den Studierenden interessierte Lehrende (ein Seminar als Möglichkeit für die Lehrenden, selbst dazu zu lernen), Diskussionsfähigkeit, Kritikfähigkeit, und vor allem eine unvergleichlich professionell präsentierte und vermittelte Inhaltsvielfalt unter dem Dachbegriff der Demokratiepädagogik. Wer sich für die Modulbeschreibungen interessiert, findet sie HIER. Eine der Grundlagen der Demokratiepädagogik ist die Erkenntnis, dass sich Demokratie nicht per Wissen vermitteln läßt. Demokratie kann man nicht lernen, sondern nur erfahren. Dementsprechend muss man sie erfahrbar machen. Dazu aber später noch.

Was dann aber noch erstaunlicher war: wie weit die Diskussionen in den Schulen sind und wieviel weiter Schulen sich bereits entwickelt haben als Bibliotheken. Ich werde mich im Weiteren ab und zu am Modulplan entlanghangeln.

1. Modul Konzepte der Demokratietheorie und Demokratiepädagogik

„Demokratiebildung, Geschlechtergerechtigkeit und Interkulturelle Bildung gehören zusammen. Vielfalt verlangt, Verschiedenheiten wahrzunehmen, anzuerkennen und kompetent (demokratisch) damit umzugehen. Voraussetzung dafür ist einerseits der Erwerb von Grundkenntnissen über interkulturelle, genderspezifische und demokratische Orientierung und Öffnung als Strategien der Organisations-, Personal- und Curriculumsentwicklung in der Schule. Es werden sowohl Aspekte praktischen interkulturellen Lernens als auch die Auseinandersetzung mit Konzepten demokratischer Wertevermittlung, Willensbildung und Entscheidungsfindung in pluriformen Einwanderungsgesellschaften aufgegriffen.“
(Quelle: Modulhandbuch)

Achso, vorweg noch: was im Modulhandbuch steht wurde auch so behandelt – auch eine neue Erfahrung.

Weil jüngere Studien auf bedenkliche Demokratiedefizite in Europa hinweisen (etwa sinkende Wahlbeteiligung, Politikdistanz junger Menschen, Vertrauensverlust in die demokratischen Institutionen, Anstieg rassistisch motivierter Gewalt, andauernde Geschlechterdisparitäten) ist Citizenship Education zu einem gesamteuropäischen Projekt geworden.
(Quelle: Modulhandbuch)

Hier hat sich dann gezeigt, wie groß der Unterschied zwischen der Schulentwicklung und der Bibliotheksentwicklung ist. Wir fragen uns in Bibliotheken (nochmal: ich beziehe mich auf Öffentliche Bibliotheken), wie wir den Kindern und Jugendlichen das Lesen wohl am besten nahe bringen und vielleicht noch, wie wir ihnen helfen sich zu informieren. Dazu diskutieren wir über Jahre über Informationsträger: Brauchen wir CDs? Brauchen wir DVDs? Ich habe im Kulturausschuss auch noch die Diskussion erlebt: warum gibt es da Kassetten? Oder eben aktuell: Brauchen wir Web 2.0 etc.?
Schulen diskutieren nicht die Frage der Informationsträger. Hier geht es darum herauszufinden: wie lerne ich am besten. In welcher Lernumgebung lerne ich am besten. Wie organisieren wir die unendlich große Heterogenität der persönlichen Lernformen – richtig: demokratisch. Hier liegt der Unterschied und da kommt der Kunde ins Spiel. Schulen schreiben sich Schulprogramme und Leitbilder, Bibliotheken machen das quasi auch. Viele Schulen organisieren dies aber mittlerweile demokratisch und was sich hier dann simpel anhört ist ein unerhört nervenaufreibender, zeitfressender und kraftraubender Prozess. Da wird mit allen! Schülerinnen und Schülern, mit allen! Lehrerinnen und Lehrern und mit allen teilhaben wollenden Eltern in Workshops das eigene Leitbild erarbeitet und zusammengebracht. Nicht ein einziges Mal, sondern in sich fortsetzenden Prozessen, alle Jahre wieder. Was dabei herauskommt sind nicht Weltentwürfe oder Musterverfassungen, sondern individuell auf die jeweilige Schule und ihre Umwelt zugeschnittene Regularien. Oder Klassenräte, in denen die Lehrkraft exakt eine Stimme hat, wie jede ihrer Schülerinnen und Schüler auch. Wenn es da dann um die Lehrmethoden geht, dann kann es schon mal zur Sache gehen. Aber hierzu gehören dann auch Übungen, die vermitteln wie Bedürfnisse anderer und auch die eigenen wahrgenommen werden können usw.

Jetzt der Übertrag auf Bibliotheken. Wir arbeiten bis heute Bestandsorientiert. In den neuen Diskussionen – auch jenen von z.B. Christoph Deeg – erkenne ich keine Umkehr davon. Im viel diskutierten „Kunden“-Artikel steht:

Aber Bibliotheken könnten dem Kunden nun zeigen, wo man bei Amazon kostenlose Bücher bekommt, wie man einen RSS-Reader auf dem Kindle installiert, wo man im Netz kostenlose eBooks findet und wie man diese legal in das Amazon-Format konvertieren kann. Gleiches gilt für die Nutzung von iPads und anderen Geräten.

oder

Ich denke aber es geht darum, dem Kunden zu helfen. Der Kunde möchte lesen, lernen, spielen etc. und die Aufgabe der Bibliothek ist es dann, ihn auf diesem Weg zu unterstützen. Dies kann bedeuten, dass von diesem Kunden der Bestand der Bibliothek gar nicht mehr genutzt wird. Bekommt der Kunde aber in der Bibliothek diese spannenden Informationen und Hilfestellungen, wird er die Bibliothek damit als Experten für die Welt der Medien wahrnehmen. Somit ist dieser Kunde aufgrund seines geänderten Medien-Nutzungs-Verhalten nicht mehr für die Bibliothek verloren.

Da hat sich gar nichts geändert. Ich soll dem nun Kunden heißenden Leser zeigen, wie der Informationsträger funktioniert. Ein bißchen Spaß soll er auch haben, deswegen schreibe ich einen lustigen Blog – ist polemisch, weiß ich.

Was ich hingegen brauche und da führt der Studiengang hin:

Im Einführungsteil wird ein Überblick über Formen (z. B. soziale Intelligenz), Dimensionen (Wissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten) und Modelle sozialer Kompetenz im Kindes- und Jugendalter sowie über die entwicklungspsychologischen Befunde (z. B. handlungstheoretischer Ansatz zur Entwicklung sozial-moralischer Kompetenzen) gegeben, die die Entwicklung allgemeiner und spezifischer sozialer Kompetenzen in unterschiedlichen Altersstufen begründen.
(Quelle: Modulhandbuch)

Die Bedeutung einer grundsätzlichen pädagogischen Haltung in der Förderung sozialer Kompetenzen wird an konkreten Beispielen verdeutlicht. Die Vermittlung, Erarbeitung und Auseinandersetzung mit konkreten Strategien zur Förderung sozialer Kompetenzen erfolgt am Beispiel ausgewählter Programme (z. B. fairplayer.manual, buddY E.V., fairplayer.sport, Betzavta, Erwachsen werden) bzw. im Rahmen eines auszuwählenden Programms.
(Quelle: Modulhandbuch)

Wesentliche Schritte schulischer Entwicklungsprozesse, Gelingensbedingungen und Stolpersteine werden an konkreten Beispielen aus dem Erfahrungshintergrund der Dozent/-innen vorgestellt (z. B. Vorgehensweise und Methodik bei partizipativen Leitbild- und Schulprogrammentwicklungsprozessen, das Aushandlungsmodell, Entwicklung einer demokratischen Konferenzkultur, Informationsfluss und Transparenz, Anerkennungs- und Feedbackkultur, Vereinbarungen zur Zusammenarbeit und zum Miteinander unter den schulischen Gruppen, Elternräume, etc.).
(Quelle: Modulhandbuch)

Die Informationsträger sind für mich als Bibliothekar nur Mittel zum Zweck der präventiven pädagogischen Arbeit!

  • Ich kaufe nicht Musik-CDs der reinen kulturellen Teilhabe wegen, sondern setze mich mit auf Charts platzierten homophoben Inhalten auseinander oder mit auf Charts platziertem Rechtsrock.
  • Ich befähige die Leserinnen und Leser zu erkennen, welche Wirkung Medien haben können. Hierfür braucht es viele Dinge von denen Christoph Deeg spricht, aber sie sind nur Mittel zum Lernen und nicht Selbstzweck.
  • Ich organisiere die Bibliothek demokratisch: Transparenz bibliothekarischer Arbeit, partizipative Leitbilderstellung, Teilhabe an der Organisation etc.

Ich will weg vom Verwaltungsbibliothekswesen. Ja – dieser Teil wird den Weg gehen, den Gunter Dueck beschreibt: unterbezahlt und in Masseneinrichtung organisiert. Der einzige Weg in die Zukunft führt Bibliotheken über demokratische Wege. Bisher sind wir grenzwertig „unterprofessionell“. Wir haben fast keine Ahnung von Medienpädagogik, obwohl wir täglich Medien hin und her reichen und wir haben keine Ahnung ob unsere Leseförderung funktioniert, obwohl wir uns damit legitimieren. Wir wissen auch nicht, wie wir eigentlich die Verteidigung gegen unmenschliche (fängt bei Alltagsrassismus an) Inhalte organisieren, so wir denn überhaupt wollen (wo wir ja so neutral sind).

Das ist mein Blick – wieder in Kurzform.

Zum Abschluß drei Sätze aus dem Modulhandbuch, denen zu folgen ich jedem bibliothekarischen Studiengang nicht nur empfehlen kann, sondern als Grundlegend für meine berufliche Professionalität betrachte:

Für demokratische Schulentwicklungsprozesse ist es wesentlich, dass sich die Studierenden zu Beginn mit ihrem eigenen Demokratieverständnis (anhand von Übungen und Reflexionsphasen) auseinandersetzen. Dieser Schritt
kann beispielhaft für zukünftige Reflexionsprozesse an Schulen genutzt werden. Überdies ist die Beschäftigung mit der eigenen Rolle und Haltung in Veränderungsprozessen Bestandteil dieser Einführungsphase.

DonBib

Die ganze unprofessionelle Erbärmlichkeit der Bibliotheksethik an einem Beispiel

In Farbwechsel on 24. Juni 2012 at 13:55

Seit langem schon Broder(t) brodelt es in mir, wenn ich mich mit Bibliotheksethik beschäftige. Heute bekam ich dann einen Hinweis, der mich einfach ratlos zurückgelassen hat. Dieser Hinweis beinhaltete eine „Literaturempfehlung“ (Ironie) auf ein Buch mit dem Status „In Bearbeitung“. Das Buch ist mir seit kurzem bekannt, der Autor schon seit langem. Wer sich kurz über das Buch informieren möchte, der kann auf der Verlagsseite den offiziellen Klappentext lesen(Informationen zum Kopp-Verlag findet man z.B. hier und hier). Ist man dann fertig mit dem ersten Kopfschütteln, kann man sich auch noch kurz über den Autor des Buches informieren, z.B. hier, hier oder hier. Für die Klickfaulen hier noch ein paar Überschriften aus dem Inhaltsverzeichnis als Beispiel:

  • Rotationseuropäer: offene Grenzen für Minderbegabte
  • Analphabeten: Wir importieren Sozialhilfeempfänger
  • Kindesvergewaltigungen als »kulturelle Bereicherung«?
  • Wir stellen aggressive Minderintelligente mit Geld ruhig

Insgesamt ist es ein schlichtes und menschenverachtend rassistisches Machwerk.

Jetzt zum eigentlichen Ärgernis mit der Ethik unseres Berufsstandes. Der obige Verweis auf das Buch mit dem Status „In Bearbeitung“ zeigt auch die bearbeitende Bibliothek an: die Stadt- und Regionalbibliothek Frankfurt (Oder). Dr. Dirk Wissen schrieb mir mal auf die Frage nach einem Leitbild der Stadt- und Regionalbibliothek Frankfurt (Oder), dass man keines hätte. Aber man richte sich nach einigen Schwerpunkten, die ich hier nun in Auszügen nennen möchte:

  • Informationelle Grundversorgung – Bestände und Dienstleistungen sind frei von Zensur
  • Qualitätsgarantie durch professionelle Auswahl und Pflege – Balance zwischen Massenmedien und Minderheitsinteressen
  • Neutralitätsgarantie durch freien Informationszugang
  • Angebote zur Alltagsbewältigung

Jetzt stelle ich mir ein paar einfache Fragen:

  • Warum schafft man dieses Buch an?
  • In welchen Kontext bibliothekarischer Arbeit stellt man dieses Buch?
  • Welches Selbstverständnis hat man von der Institution Bibliothek?

Ich schaffe es nicht, all diese Punkte auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Die Anschaffung eines Buches, das nichts weniger propagiert als die Überlegenheit der eigenen Kultur und Rasse und gleichzeitig die Angst davor in zu viel „Überfremdung“ zur verschwinden, zeigt exemplarisch die Hilflosigkeit und Orientierungslosigkeit des Berufsstandes in ethischen und moralischen Fragen. In dieser Form ist die Bibliothek nichts weiter als eine Medienverleihstation. Selbst wenn man sich in einer einzelnen Veranstaltung mit Rassismus auseinandersetzt, steht nun dieses Buch auf Jahre frei von jeder inhaltlichen Auseinandersetzung im Regal rum. Wobei ich zugeben muss, vielleicht ist es ja ein „Angebot zur Alltagsbewältigung“ für die Frankfurterinnen und Frankfurter. Ein bißchen Weiterbildung in Sachen persönlicher Rassismus schadet ja nie.

Was würde denn nun passieren würde man so ein Buch nicht anschaffen, wäre das Zensur? Natürlich nicht, denn kurzer Blick in den KVK zeigt doch die Verfügbarkeit und es lebe die Fernleihe. Oder ist das die Neutralitätsgarantie? Gerne akzeptieren wir alle Rassismen, wir sind ja neutral. Dann stellen wir noch ein Multi-Kulti-Buch daneben, dann ist es ja ausgeglichen. „Oh, sie brauchen noch ein paar Argumentationshilfen gegen Zigeuner? Warten Sie, wir haben zum Glück den Ulfkotte da.“ Denn im Code of Ethics (BID) steht ja geschrieben: „Wir informieren und beraten unsere Kundinnen und Kunden sachlich, unparteiisch und höflich und unterstützen sie dabei, ihren Informationsbedarf zu decken.“ Ich finde in diesem unsäglichen Code of Ethics keinen Punkt mit dem ich die Beantwortung einer solchen Anfrage ablehnen könnte und ich bleibe somit auch dabei, dass dieser Code of Ethics ganz einfach weggeschmissen gehört.

Soweit zur Sonntagsdepression.

DonBib