*Ultrà Biblioteka*

Mit ‘Bibliothek & Information Deutschland (BID) e.V.’ getaggte Artikel

Der Gebrüder-Grimm-Gedächtnis-Dutt in Bronze

In Dutt Up! am 27. Oktober 2012 um 05:58

für das schönste Katalogisat des Jahres geht an: einen unbekannten Künstler aus Frankfurt oder Leipzig.

Unabhängig von meiner Begeisterung für die Person Ranga Yogeshwar, dem ich durch unzählige Sendungen von Quarks & Co gefolgt bin und dessen Fähigkeit Begeisterung für Wissen medial zu transportieren ich für unbezahlbar halte, verkommt die Karl-Preusker-Medaille zu einem billigen Instrument der Öffentlichkeitsarbeit. Während die ersten Preisträgerinnen und Preisträger einem Statut folgend ausgezeichnet wurden, das noch etwas weitergehend formuliert war:

Von 1996 – 2009 verlieh die Deutsche Literaturkonferenz alljährlich die Karl-Preusker-Medaille an Personen und Institutionen, die den Kulturauftrag des Bibliothekswesens wirkungsvoll gefördert und sich auf dem Gebiet der Literatur, des Verlagswesens, des Buchhandels, der Öffentlichen Bibliotheken ausgezeichnet hatten. Die Medaille war eine ideelle Auszeichnung und nicht mit einer finanziellen Zuwendung verbunden.
(Quelle: Deutsche Literaturkonferenz e.V.)

weichte der BID dieses Statut nach Übernahme der Preisauslobung auf:

Bibliothek und Information Deutschland e.V. lobt alljährlich die Karl-Preusker-Medaille aus, mit der eine Person oder Institution ausgezeichnet wird, die den Kultur- und Bildungsauftrag des Bibliotheks- und Informationswesens fördert und unterstützt.
(Quelle: BID)

Nur so konnte es geschehen, dass im vergangenen Jahr, als Treppenwitz der Bibliotheksgeschichte, mit Horst Köhler ein Mann ausgezeichnet wurde, der über Jahrzehnte an den Schaltstellen jener Ort arbeitete, die Mitverantwortung für jenes Chaos tragen das wir “Finanzkrise” nennen und somit größtmöglichen Schaden in bibliothekarischem Sinnen anrichtete.

Entgegen der öffentlichkeitswirksamen Verflachung bibliothekarischer Belange, was offensichtlich ein zentrales Anliegen des BID ist, möchte ich mich dafür aussprechen insgesamt zwei Preise zu verleihen. Einerseits können in der Öffentlichkeit stehende Bibliotheken fördernde Personen für dieses Engagement ausgezeichnet werden, wie eben Ranga Yogeshwar, und andererseits kann man zum Ursprung der viel klarer gefassten Vergabestatuten der Karl-Preusker-Medaille zurückkehren und verdiente Kolleginnen und Kollegen auszeichnen, wie es in den Anfangsjahren auch geschah.

Oder aber wir verleihen doch den Gebrüder-Grimm-Gedächtnis-Dutt in Bronze.

DonBib

 

Zweimal nichts und wieder nichts

In Farbwechsel am 12. Oktober 2011 um 19:49

Vor kurzem hatten wir die Friedrich-Huth-Bücherei in Harsefeld thematisiert. Dort wurde in fast veruntreuender Art eine Gesamtausgabe von Bertolt Brecht verscherbelt und gleichzeitig hat diese Bibliothek unerträgliche Literatur im Bestand. Dies ergibt ein sehr zweifelhaftes Gesamtbild, das man durchaus hätte diskutieren können. Auf eine Anfrage erhielten wir allerdings bis heute keine Antwort.

Die kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Tun und Handeln ist eine der grundlegenden Fähigkeiten für jede Bibliothekarin und jeden Bibliothekar. Die Leiterin der Friedrich-Huth-Bücherei in Harsefeld möchte sich diesem Tun und Handeln offensichtlich nicht stellen – schade!

Der zweite Fall widmet sich noch einmal dem Bundespräsidenten a.D. Köhler. Hierbei hatten wir mehrfach beim Bibliothek und Information Deutschland (BID) e.V. angefragt, inwiefern sich die kommende Verleihung der Karl-Preusker-Medaille 2011 an Bundespräsident a. D. Horst Köhler mit den eigenen ethischen Grundsätzen in Einklang bringen lässt. Aus unserer Sichtweise überhaupt nicht. Nach mehrfachem Nachfragen erhielten wir dann auch eine Antwort, die außer unverbindlicher Nichtssagerei wenig zu bieten hatte. Frau Braß von der Geschäftsstelle des BID teilte uns nun mit, man habe sich in der Pressemitteilung genug geäußert und überhaupt habe Horst Köhler mit der Finanzkrise nichts zu tun, denn er habe sich ja mehrfach kritisch dazu geäußert.

Dieses völlige Ausblenden der Gesamtlebensleistung einer Person ist offensichtlich nötig, um eine solche Preisverleihung zu rechtfertigen. Der BID zeigt hiermit einmal mehr, dass man zu einer gesamtheitlichen Sichtweise nicht in der Lage ist.

Die oberflächlich auf Pressebegeisterung ausgerichtete Verleihung hat mit dem Bibliothekswesen nichts zu tun, sie strebt nur nach medialer Aufmerksamkeit.

DonBib

Schreibt dem BID – Update

In Farbwechsel am 21. September 2011 um 07:46

Update 14:24 Uhr:

Haben soeben eine Bestätigung erhalten, dass unsere Email eingetroffen ist.

Vor exakt zehn Tagen veröffentlichten wir hier einen Offenen Brief an den Bibliothek und Information Deutschland (BID) e.V. Ziel war es eine Antwort auf die Frage zu erhalten, inwiefern die Verleihung der Karl-Preusker-Medaille 2011 an Bundespräsident a. D. Horst Köhler moralisch und inhaltlich, vor allem auch bezogen auf die eigenen ethischen Grundsätze des Verbandes, vertretbar ist.
Dieser Offene Brief ging auch per Mail an die entsprechende Kontaktadresse beim BID. Vor Nach der Hälfte der bisher vergangenen Zeit, also vor fünf zwei Tagen (interne Fehlinfo – ich bitte das zu entschuldigen!), fragten wir nach, ob die Email denn angekommen wäre. Leider erhielten wir auf keine der Nachfragen oder Emails bisher eine Antwort. Niemand hatte erwartet, dass es dazu jetzt eine große offizielle Stellungnahme geben würde, eine Bestätigung des Eingangs der Email wäre schon ausreichend gewesen.

Die Nachfragen aber schlicht zu ignorieren ist schon fragwürdig.

Daher nun eine kleine Bitte an die Leserinnen und Leser dieses Blogs: verfasst einen kleiner Dreizeiler per Email an den BID und gebt auch euer Interesse an dieser Frage zu erkennen. Vielleicht sieht man sich dann doch genötigt in einem annehmbaren und nachvollziehbaren zeitlichen Rahmen zu antworten.

Kontakt

Geschäftsstelle der BID

Dr. Monika Braß (Geschäftsführerin)
Bibliothek und Information Deutschland (BID) e.V.
c/o Deutscher Bibliotheksverband
Straße des 17. Juni 114
10623 Berlin
Telefon: (0 30) 644 98 99-20
Telefax: (0 30) 644 98 99-27
E-Mail: bid@bideutschland.de

DonBib

Offener Brief an den BID

In Farbwechsel am 11. September 2011 um 20:07

Offener Brief gegen die Verleihung der Karl-Preusker-Medaille 2011 an Bundespräsident a. D. Horst Köhler

Offener Brief gegen die Verleihung der Karl-Preusker-Medaille 2011 an Bundespräsident a. D. Horst Köhler

Offener Brief gegen die Verleihung der Karl-Preusker-Medaille 2011 an Bundespräsident a. D. Horst Köhler

 Zum Vergrößern bzw. zum Download der PDF auf den Link bzw. auf das Bild klicken!

DonBib

PS Der Text wurde bereits an den BID weitergeleitet und wir warten auf die Antwort.

(K)ein würdiger Preisträger?!

In Farbwechsel am 9. September 2011 um 12:28

In einer PRESSEMITTEILUNG vom 08. September 2011 erklärte der Dachverband der Bibliotheks- und Informationsverbände, Bibliothek & Information Deutschland (BID) e.V.:

Der Dachverband der Bibliotheks- und Informationsverbände, Bibliothek & Information Deutschland (BID) e.V., verleiht die Karl-Preusker-Medaille 2011 an Bundespräsident a. D. Horst Köhler. Die Bundesvereinigung würdigt damit die herausragenden Verdienste des ehemaligen Staatsoberhauptes um das Bibliotheks- und Informationswesen. (Quelle: Presseerklärung BID)

Ich halte diese Auszeichnung schlichtweg für einen Skandal oder besser gesagt die totale Bankrotterklärung des Dachverbandes der Bibliotheks- und Informationsverbände, Bibliothek & Information Deutschland (BID) e.V.

Ich zitiere mal, als Begründung für meine Ansicht, aus einem Aufsatz mit dem Titel „Horst Köhler: Scheitern nach oben“, verfasst von Albrecht von Lucke und erschienen in „Blätter für deutsche und internationale Politik“ (Ausgabe 5/2009):

Horst Köhler steht höchstpersönlich für jene von ihm kritisierte Selbstentmachtung der Politik zugunsten von Wirtschaft und Banken. In den letzten 20 Jahren agierte er (als maßgeblicher Politiker oder politischer Beamter) stets dort an verantwortlicher Stelle, wo der neoliberale Zeitgeist wehte und die entscheidenden Weichen gestellt wurden. Anders ausgedrückt: Seine kritischen Erkenntnisse kamen regelmäßig zu spät. Auf diese Weise verbirgt sich hinter der erstaunlichen Erfolgsgeschichte des Horst Köhler auch eine kleine Geschichte der gescheiterten neoliberalen Deregulierungspolitik seit 1989. (Quelle: Albrecht von Lucke: Horst Köhler: Scheitern nach oben. In: Blätter für deutsche und internationale Politik – Ausgabe 5/2009)

Der BID hingegen schreibt in der Begründung für die einstimmige Entscheidung der Jury:

Bundespräsident a. D. Köhler hat in Wort und Tat dazu beigetragen, die öffentliche und politische Wertschätzung für Bibliotheken und Informationseinrichtungen zu stärken […] (Quelle: Presseerklärung BID)

Aus Sicht der Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes kann ich vielleicht noch verstehen, warum man sich so eine Person als Preisträger gesucht hat.

Ich werde allerdings niemals verstehen, warum man eine Person, die maßgeblich an den aktuellen Verwerfungen des Finanzsystems beteiligt war und somit maßgeblich Verantwortung für die schwierige Haushaltslage der Träger aller Arten von Bibliotheken trägt, als Förderer und positive Figur für Bibliotheken und Informationseinrichtungen auszeichnen kann.

Persönlich würde ich den Dachverband der Bibliotheks- und Informationsverbände, Bibliothek & Information Deutschland (BID) e.V. dazu auffordern den Preis zurückzuziehen (was aber schon aus politischen Gründen niemals stattfinden wird).

Der BID hat sich selbst und den Preis mit dieser Entscheidung nachhaltig beschädigt und einmal mehr gezeigt, dass dort die persönliche Wahrnehmung offensichtlich nicht einen Zentimeter über den Tellerrand des eigenen Berufsstandes hinaus geht.

Schade um den Preis!

DonBib

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