Unter dem Titel: “Alles Grauzone!” – Bibliotheken in die Pflicht nehmen findet sich beim Blog “Lauter Bautz’ner” ein Erlebnisbericht , der auf wunderbare Weise den Bogen schlägt von Kommunalpolitik über Jugendschutz und Musik zu bibliothekarischer Verantwortung. Er zeigt insbesondere auch (ohne es deutlich erwähnen zu müssen), dass die Zensurdebatte – wie in der letzten BuB – vom falschen Ende her geführt wird. Den Rest des Beitrags lesen »
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Der Bibliotheksspot 2012
In Bib ’n’ Roll am 23. Oktober 2012 um 17:57Der dbv hat es tatsächlich geschafft mir ein kleines Lächeln ins Gesicht zu zaubern – DER DBV –> MIR.
Angesichts dieser Seltenheit – und der Film ist klein, fein, nicht übertrieben, spricht Emotionen an und stellt doch sehr viel genauer dar was Bibliotheken können, als so mancher 10-seitig verschwurbelter Pressetext – möchte ich doch den Bibliotheksspot 2012 auch hier zum anschauen verfügbar haben.
Also – Vorhang auf:
DonBib
Auch Neonazis machen Musik
In Bib ’n’ Roll, Six Books Under am 22. Oktober 2012 um 15:07Viele Öffentliche Bibliotheken verfügen über einen ausgesprochen ausgeprägten Bestand an Musikmedien. Nicht immer werden CDs von Künstlern anhand von Bestseller-Listen ausgewählt und erworben, auch Bibliotheksnutzer können sich mit entsprechenden Wünschen an die Bibliothek wenden. Bei externen Musikwünschen kann es allerdings vorkommen, dass musikalische Erzeugnisse zum Kauf vorgeschlagen werden, die auf den ersten Blick zwar unverfänglich aussehen und so gar nicht nach menschenverachtender Musik klingen, bei näherer Betrachtung allerdings ihre rassistische und gewaltverherrlichende Bandbreite offen zur Schau stellen. Das Spektrum an neonazistischer Musik hat sich in den letzten Jahren stark ausdifferenziert. Vom schlichten Pop, über Hip-Hop bis hin zum Hardcore-Punk wurden Genres besetzt, die noch bis vor zehn Jahren als „unpolitisch“ galten – in jedem Falle aber nicht rechts.
Für unbedarfte Bibliothekare scheint es nahezu aussichtslos, die Masse an Bands zu überschauen, die sich dem „Rechtsrock“ verschrieben haben. Relativ oberflächliche bzw. veraltete Hilfestellungen für Bibliotheken finden sich hier oder in Form von etwaigen Verfassungsschutz-Publikationen. Einen umfassenden Einblick ins Genre “Hardcore-Punk” bieten zwei kürzlich erschienene Buchtitel.
Der Artikel erschien zuerst auf lauterbautzner.blog.de
“Immerhin klärt der Verfassungsschutz verstärkt darüber auf, wie Städte Konzerte untersagen können.” (Sächsische Zeitung vom 19.10.)
Ausgehend von dieser famosen Feststellung, möchte ich kurz auf zwei Bücher verweisen. Es geht um “Blut muss fließen” von Thomas Kuban (Campus-Verl., 2012) sowie “Out of step” von Ingo Taler (Unrast-Verl., 2012). In beiden Titel geht es um Rechtsrock, dessen musikalische Spielarten und textliche Auswüchse sowie deren nachhaltige Wirkung auf (meist jüngere) Menschen.
Kubans Buch, das zuvor als Dokumentar-Film auf der Berlinale Premiere feierte, ist das Ergebnis seiner Recherchen im neonazistischen Konzert-Spektrum. Über zehn Jahre stürzte sich der Journalist mit einer Knopfkamera im Knopfloch seines Poloshirts (schwarz/weiß/roter Kragen) waghalsig in die Untiefen der konspirativ geplanten Rechtsrockkonzerte. Er liefert damit Einblicke in einen bis dahin für die Außenwelt unzugänglichen Kosmos. Rund 50 Rechtsrockkonzerte besuchte Kuban undercover, auch in Bautzen. Von vielen dieser Zusammenkünfte wusste einer nichts – der Verfassungsschutz. Und das, obwohl sich nachweislich V-Männer die Konzerte planten auf den Gehaltslisten der Inlandsgeheimdienst-Ämter befanden. Während seiner lebensgefährlichen Expeditionen ins (4.) Reich des vertonten Menschenhasses, verschlug es den Autor auch hin und wieder zu öffentlich und intern geführten Wahlkampfveranstaltungen der NPD, CDU und CSU. Inhaltliche Abgrenzungen zwischen “Rechts” und “Mitte”: nicht mehr erkennbar.
Das andere Buch, “Out of step”, behandelt die gemeinsame Historie des Hardcore-Punk und dem daraus hervorgehenden Rechtsrock bzw. NS-Hardcore. In seiner umfänglichen Schrift setzt sich der Autor mit den Anfängen und mannigfachen Spielarten der Hardcore/Punk-Bewegung in den USA und Europa auseinander. Hierbei weißt Taler die allseits verwendeten Auffassung “Hardcore sei eine dezidiert linke Veranstaltung” entschieden zurück. Anhand umfangreicher Lied-Textanalysen von Bands wie Agnostic Front, Mad Ball oder Sick Of It All wird der latente Hang zu chauvinistischen und nationalistischen Einstellungen deutlich. Angereichert mit einem stark männlichen und gewaltverherrlichenden Habitus bieten solche und andere Bands perfekte Anknüpfungspunkte für konsequent neonazistisch agierende Musikgruppen.
Beide Werke stellen auf ihre eigene Art Standardwerke dar. Das eine, weil es einen erschütternden Einblick auf bis dato unerforschtes Land bietet. Das andere, weil es in seiner Tiefgründigkeit alles bisher Dagewesene übertrifft.
LeoT
Musik für “neutrale” Bibliothekare
In Bib ’n’ Roll am 19. Juni 2012 um 14:00via Lauter Bautz’ner
DonBib
Heute mal was Schönes!
In Bib ’n’ Roll am 14. September 2011 um 17:55Nach den ganzen nicht so richtig schönen Dingen über die man sich gerne aufregt, dann aber trotzdem thematisiert, heute mal etwas Schönes. Beim Blättern durch Homepages von Öffentlichen Bibliotheken (ein schönes Hobby!) ist mir die Seite der Stadtbibliothek Stadtilm aufgefallen. Nicht so sehr weil sie so großartig aufgemacht ist (wobei es für eine statische Seite ganz ok ist) sondern wegen der Beschreibung der eigenen Bibliothek:
Das Wissen der Bibliothek, ihr Bestand an Büchern, Datenbanken, Zeitschriften, DVDs und CDs ist für alle da. Und wer zu Hause keinen Internetzugang hat, benutzt den der Bibliothek, um im Netz nach dem Job des Lebens, einem Date für den Abend oder der Quellenangabe für die Diplomarbeit zu suchen. Jeder kommt, jeder kann sich frei bedienen, hat Zugang zu allen möglichen Informationen. Das ist ganz alltägliche Informationsfreiheit – und die ermöglicht Meinungsvielfalt. Demokratie eben. (Quelle: Homepage der Stadt Stadtilm)
Kann man es viel schöner sagen? Demokratie eben. Ich finde nicht und deshalb ein dickes Lob an dieser Stelle!
Bei Demokratie fällt mir dann gleich noch was ein:
Am 9. November 2011 wird der Sächsische Förderpreis für Demokratie zum nunmehr fünften Mal verliehen. Ausgeschrieben wird der Preis von der Amadeu Antonio Stiftung, der Freudenberg Stiftung und der Sebastian Cobler Stiftung. Eine Bewerbung ist bis zum 16. September möglich. (Quelle: Homepage des Sächsischen Förderpreis für Demokratie)
Weiterhin steht auf der Homepage:
Wir freuen uns über Bewerbungen von Vereinen, Schulen, Kommunen, Bündnissen und Initiativen, die sich gegen Rassismus, Antisemitismus oder Rechtsextremismus und für Menschenrechte und eine Stärkung der demokratischen Kultur einsetzen. (Quelle: Homepage des Sächsischen Förderpreis für Demokratie)
Da denke ich doch irgendwie sofort: Mensch, da müssten sich ja hunderte Bibliotheken beworben haben, die ja alle Aktionen zur Wahrung der Demokratie unterstützt oder selbst initiiert haben (abgesehen davon, dass man einfach existiert). Oder etwas nicht? Es sind auf jeden Fall noch zwei Tage Zeit! Dafür müsste man sich als Einrichtung natürlich als Förderer der Demokratie verstehen und nicht als Medienverleihstation. Wie weit dieses Verständnis verbreitet ist und wieviele Bibliotheken sich engagiert haben, wird man ja daran ablesen können wieviele Bibliotheken sich beworben haben (eine Anfrage ist gestellt).
In der Erklärung welche Kriterien eine Bewerbung für den Preis mitbringen muss stehen fast ausschließlich Punkte, die mir als Bibliothekar und vielen die ich kenne quasi ins Stammbuch geschrieben stehen:
Die Bewerbungen sollten eines oder mehrere der folgenden Kriterien erfüllen:
- Stärkung einer demokratischen Alltagskultur
- offensive Auseinandersetzung mit Themen wie Menschenrechte und Minderheitenschutz, Ursachen und Folgen von Antisemitismus, Rechtsextremismus und Rassismus
- Unterstützung von Opfern rechtsextremer Gewalt
- Förderung der Zusammenarbeit mit Schulen, Kommunen, Polizei, lokalen Unternehmen und Kirchengemeinden
- im Unternehmen: Einstehen für ein Betriebsklima, das Rassismus und Diskriminierung ächtet
Ich hoffe man kann auch zukünftig mehr Bibliotheken und mehr Bibliothekarinnen und Bibliothekare dazu anregen sich deutlicher zu engagieren – mit und in ihrer Einrichtung!
Warum dieses Engagement so nötig ist steht in der Erklärung, warum dieser Förderpreis überhaupt existiert:
Schon seit Jahren versuchen rechtsextreme Gruppen gezielt, ihre Kräfte in Sachsen zu bündeln und prägen ein zunehmend antidemokratisches Klima. Rechtsextremismus hat sich hier über lange Zeit entwickelt und verfestigt. Teilweise haben sich Strukturen etabliert, die es immer mühsamer machen, sich für die Werte der Demokratie, Weltoffenheit und die Anerkennung der Menschenrechte einzusetzen. (Quelle: Flyer zum Sächsischen Förderpreis Demokratie 2011)
Also bewerbt euch zukünftig, engagiert euch, macht mit!
Danke für den Hinweis an LeoT

