*Ultrà Biblioteka*

Fragen – Teil 1

In Farbwechsel am 28. September 2012 um 08:22

Da aktuell fast gar keine Zeit zum bloggen bleibt, hier einfach mal ein paar Fragen zu Themen, die mich beschäftigen:

- Wo versteckt sich in Öffentlichen Bibliotheken die Bildungseinrichtung?

Ich suche schon so lange, finde sie aber einfach nicht.

- Wer beschäftigt sich eigentlich mit den sozialen Auswirkungen seiner Arbeit?

Was machen wir z.B. mit populärer homophober und zu Gewalt animierender Musik? Müssen wir die sammeln? Wenn ja, was machen wir mit ihr in der Bibliothek? Oder: Welchen Nutzen haben Bibliotheksgebühren und welchen negativen Auswirkungen stehen sie gegenüber?

- Sind Bibliotheken aktuell nicht mehr Verwaltungseinrichtungen denn alles andere?

Wir verbringen den größten Teil unserer Arbeitszeit mit Verwaltungsaufgaben und behaupten dafür noch: dafür musst du aber studieren. Wo bleibt die Weiterentwicklung? Warum werden solche Tätigkeiten nicht  vollständig ausgelagert? Ist eine Weiterentwicklung von Bibliotheken in aktuellen Strukturen überhaupt möglich?

- Was ist eigentlich der inhaltliche Kern des Berufsstandes?

Was eint uns? Welche gemeinsamen Ziele haben wir? Wann und wo sprechen wir überhaupt miteinander und miteinander darüber?

- Sind die berufsspezifischen Studiengänge eine Parallelgesellschaft zum bibliothekarischen Alltag?

Wo bleibt die Rückkopplung mit der Praxis? Wieso werden bibliothekarische Räder beständig und quer durchs Land neu erfunden? Welche Qualität haben die Studiengänge? Wieso existiet Interdisziplinarität quasi nur in technischen Bereichen?

So viel zu Teil 1 der Fragen. Wer Antworten hat schreibe diese bitte sofort in die Kommentare!

DonBib

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  1. So viele wichtigen Fragen. Jede von denen kann eine lange Diskussion aufmachen, deshalb werde ich diese jetzt (leider) nicht einzeln eingehen.

    Allerdings finde ich die Reihenfolge der Fragen schon aufschlussreich.
    Wie ich das sehe, liegen die Antworte für viele Probleme unseres Faches in der Ausbildung (es ist auch kein Geheimnis, dass die diese für sehr, sehr, mangelhaft halt).
    Die manchmal mangelnde und manchmal übertrieben-eingeschränkte Praxisorientierung der Studiengänge, die nicht-existierende Interdisziplinarität bei so vielen wichtigen Themen (nur mit technischen Aspekten, damit man sich modern fühlt), die “berufliche Sozialisierung” der sog. New Professionals für un-kritisches un-reflektierendes Handeln…

    Studierende (ich einschließlich, bin ja noch im Endspurt des MA) werden zu einem beruflichen Diskurs eingeleitet, der die bibliothekarische bzw. Informationspraxis als einen abgekoppelten Kosmos betrachtet…
    Als wäre diesen (Bibliotheken) immer noch der zentrale Akteur des Informationsumfeldes (soweit für Zusammenarbeit).
    Als wären deren Aufgaben die einzigen und wichtigsten (soweit für selbstkritische Betrachtung).
    Und als hätte diesen in einem gesellschaftlichen Vakuum agieren (soweit für die Reflektion unseres Handelns und dessen soziale Auswirkungen).

    Nicht, dass eine “bessere” Ausbildung all die oben-genannten (und vielen weiteren) Fragen lösen/beantworten kann, aber sie kann Diskussions- und Handlungsfähige(re) Fachleute ausbilden, die über ihre eigene Praxis ständig reflektieren und diese Fragen immer weiter behandeln. Fachleute, die die selbstkritische und reflektierende Betrachtung auch in die Vereine bringt und da ebenso was ändert.

  2. Vielleicht keine Antwort, eher zwei Tipps und eine weitere Frage.

    Die Tipps:
    Du sprachst von Musik, die hauptsächlich durch ihre menschenverachtenden Texte auffällt. Hierzu empfehle ich ein wunderbares Buch, das die rassistischen Spitzfindigkeiten einiger etablierter Bands aus dem Hardcore/Punk/Metal-Genre minutiös auflistet – gerade für Musikbibliothekare ein unabkömmliches Standardwerk:

    “Out Of Step” (2012) http://www.unrast-verlag.de/unrast,2,339,5.html

    Aber auch Comics können mit neonazistischen Inhalten versehen werden. Hier gibt das Buch “Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus in Comics” (2011) einen umfänglichen Einstieg:

    http://shop.jugendkulturen.de/publikationen-des-archivs/74-rechtsextremismus-rassismus-und-antisemitismus-in-comics.html

    Und dann noch meine Frage:

    Wie verhalten sich eigentlich die vielen Bibliotheksverbände zu diesem schwer verunglückten Anti-Islam-Film aus den USA. Kann doch sein, dass es der Streifen per DVD auf den deutschen Markt schafft. Sollten Öffentliche Bibliotheken, bspw. in Berlin Neukölln, diesen Film erwerben oder dann eher doch nicht?

    Wir sollten diese und die oben aufgeworfenen Fragen an die bibliothekarischen Entscheidungsträger senden. Mal sehen, welche großartigen Antworten uns geliefert werden können. Und vielleicht ist es doch gar nicht so schlecht um das deutsche Bibliothekswesen bestellt, wie wir immer meinen …

  3. [...] wenigen Tagen las ich den Fragenkatalog von Donbib in Ultrà Biblioteka. So berechtigt all diese Fragen sind, so sinnlos erscheinen sie mir, da sie von [...]

  4. “Warum werden solche Tätigkeiten nicht vollständig ausgelagert?. Ich arbeite an einer Fakultätsbibliothek. Manchmal habe ich den Eindruck, dass es eher so ist, dass die Verwaltung ihre Aufgaben auslagert. Und zwar bei uns! Wir werden in Zukunft unsere Rechnungen selbst in einem Verwaltungssystem prüfen und bearbeiten müssen, was bisher von den Mitarbeitern der Verwaltung selbst gemacht wurde. Das ist wieder wertvolle Zeit, die wir nicht zur Unterstützung unserer Benutzer bei Literaturrecherche o.ä. verwenden können.

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