In der bibliothekarischen Mailingliste „Forum Oeffentliche Bibliotheken“ war vor einigen Tagen eine Diskussion zu beobachten. Anlass war ein Hinweis auf einen Zeitungsartikel über die Beschwerde eines Landtagsabgeordneten der Piraten in NRW, der die Mahngebühren seiner Bibliothek als überzogen bezeichnete. Ich sah den Artikel eigentlich als willkommenen Anlass die Mahngebühren selbst und ihren Sinn und Zweck mal zur Diskussion zu stellen. Gleichwohl war klar, dass der Fehler der zur Beschwerde des Piraten führte, auf seinem Fehlverhalten bezüglich der Leihfristen beruhte. Was passierte also nun nach meiner Email mit dem Vorschlag, man möge das doch mal nutzen um die moralischen Dilemmata zu diskutieren. Oh was hatte ich getan? Nach einer ersten noch an einer Diskussion interessierten Email, die immerhin ein Dilemma aufgriff, ging dann mal richtig die Post ab:
- Es wäre bezeichnend etwas zu hinterfragen, was die Nutzerinnen und Nutzer selbst für richtig hielten.
- Ich solle doch mit meiner Selbstdarstellung aufhören.
- Das Infrage stellen der gängigen Mahnpraxis offenbart nur meine Unkenntnis bezüglich des Bibliotheksalltags.
- Bibliotheken nehmen doch schon so viel Rücksicht auf finanziell benachteiligte Gruppen.
- Erziehung durch Strafe ist das einzige funktionierende Mittel.
- Wer sich nicht an Regeln halten kann, hat in Bibliotheken nichts zu suchen.
- Wer diese bestehenden Regeln nicht akzeptiert, kann ja gerne woanders arbeiten.
- Wenn die Politik Einnahmen in den Bibliotheken generieren will, dann müssen wir auch unseren Beitrag leisten und sollten das nicht hinterfragen.
- Bibliotheksethik ist eine gut gemeinte Idealvorstellung, sie geht aber an der Realität vorbei.
- 3 EUR für die Erstellung des Leseausweises haben erzieherische Gründe, wir wollen damit den Wert unserer Arbeit aufzeigen.
Abschließend der Gifpel:
„Und wir für unsere Bücherei haben inzwischen beschlossen, solchen Leser(innen) die Rückgabe des Leseausweises vorzuschlagen und damit auf sie zu verzichten – dies spart ihnen und uns vom Team viel Ärger. Das Problem mit dem Abgeordneten der Piratenpartei wäre bei uns schnell gelöst: Ich würde ihn als Leser bei uns löschen und das Buch ‘abschreiben’.
(Quelle: Archiv forumoeb)
Ich möchte dazu gar nicht viel mehr sagen. Es lohnt sich diese Diskussion im Archiv von forumoeb nachzuvollziehen (Juli und August), denn man bekommt einen guten Einblick in den aktuellen Stellenwert von Bibliotheksethik und die Meinung zu sozialen Belangen bibliothekarischer Arbeit.
Den abschließenden Satz übernehme ich, weil er so demokratisch und sinnvoll war von Brigitte Schöllhorn aus Dillingen: damit sind alle Punkte diskutiert.
DonBib