*Ultrà Biblioteka*

Archiv für Februar 2012|Monatsarchiv

Komische Vorgänge in der Stadtbibliothek Solingen

In Farbwechsel am 23. Februar 2012 um 09:22

Vor ein paar Tagen erhielt ich den Hinweis (Dank an LeoT) auf einen Artikel in der Onlineausgabe der Rheinischen Post (rponline) mit der Überschrift „Bibliothek: Leiterin versetzt“. Dort wird ausgeführt, die bisherige Leiterin habe den Arbeitsplatz bereits verlassen und weiter:

Stattdessen wird sie sich künftig um die interkulturelle Leseförderung im Rahmen der Umsetzung des interkulturellen Gesamtkonzeptes Solingens kümmern und das Team der RAA verstärken.
Quelle (Onlineausgabe der Rheinischen Post)

auch von Interesse:

Die Gesamtleitung der Bücherei übernimmt die bisherige Verwaltungsleiterin Sylvia Heinrichs-Reinshagen.
Quelle (Onlineausgabe der Rheinischen Post)

Es ist ja durchaus ein toller Gedanke, dass die Stadt Solingen ihr Team der Regionalen Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAA) – hier ihr Flyer: Bildung und Zukunft gemeinsam gestalten – mit einer kompetenten Fachkraft verstärken, aber die Leitung der Bibliothek einer fachfremden Person zu übergeben ist eine fragwürdige Entscheidung.

Ich habe dann mal bei der Stadt Solingen nachgefragt, inwiefern die neue Leiterin der Stadtbibliothek – vormals die Verwaltungsleiterin – fachlich denn überhaupt geeignet sei. Darauf antwortete man mir, die Leiterin der Bibliothek habe kurzfristig andere Aufgaben übernommen (was ziemlich nichtssagend war, da dies ja bereits in der Zeitung stand) und die bisherige Verwaltungsleiterin die Gesamtleitung (siehe letzte Klammer). Die Fachlichkeit werde nun von der Lektoratsleitung, einer Diplom Bibliothekarin, wahrgenommen. Diese Antwort hat nun die Transparenz des Vorgangs nicht erhöht, denn auf meine Frage (wo die Qualifikation der neuen Leiterin zur Leitung der Bibliothek läge) wurde nicht geantwortet. Es bleibt insgesamt ein merkwürdiger Vorgang.

Andererseits, sagt der ewig stänkernde Teil in mir, warum sollte eine Verwaltungsfachfrau nicht einen großen Teil der Aufgaben zur Leitung einer Stadtbibliothek übernehmen können? Außerhalb der fachlichen Betreuung der täglichen Bildungsarbeit ist diese doch viel besser dafür qualifiziert, oder?

Ideen und Anmerkungen dazu sind sehr willkommen!

DonBib

Onlineprogramm zum Bibliothekartag 2012

In Dutt Up! am 22. Februar 2012 um 09:38

Nachdem ja nun das Programm für den 101. Bibliothekartag Bibliothekstag online ist, lohnt es sich mal einen Blick darauf zu werfen – dachte ich. Dann habe ich mir die Übersicht zum Kongressprogramm im  bereitgestellten Onlineprogramm angeschaut und irgendwann ziemlich genervt wieder aufgegeben.

  1. Wir haben das Jahr 2012 und man möchte mir dieses seltene Augenkrankheiten erzeugende Onlineprogramm anbieten? Ist das Excel ’97?
  2. Der Download der Vormerkliste funktioniert bis heute nicht.
  3. Professionalisierung – vielleicht? (siehe Gunter Dueck – Stichwort: Tütensuppe)

Da reden wir immer über digitale Anwendungen in Bibliotheken, wenn nicht gar über digitale Bibliotheken, und dann das.
Da freue ich mich direkt auf das GEDRUCKTE PROGRAMM!!!

DonBib

Didacta 2012

In Zettelkasten am 15. Februar 2012 um 10:40

Gestern war es mir vergönnt ein paar Stunden bei der „didacta – die Bildungsmesse“ zu verbringen. Mein Eindruck ist im nachhinein ein bißchen ambivalent. Es beginnt damit, dass auf der Homepage steht:

Ob Lehrer, Erzieher, Ausbilder, Trainer Hochschulprofessoren oder Entscheidungsträger – Europas wichtigstes Bildungsevent ist für jeden ein Muss.
(Quelle: Homepage der Didacta)

Bibliothekarinnen und Bibliothekare werden irgendwie nicht genannt, obwohl sie doch ständig von der Bildungseinrichtung Bibliothek sprechen – komisch. Dementsprechend präsent war der Berufsstand dann auch. Ein winziger Stand mit ein paar Büchern, Werbebroschüren und ein paar, im Vergleich zur Professionalität der sie umgebenden Aussteller, sehr peinlich simplen Flyern. Ein bißchen sehr still waren die Vertreterinnen und Vertreter dann auch noch. Die Anwesenheit hatte etwas von der Präsenz von Museumswärtern.

Am ehesten Beeindruckt hat mich Halle 23. Dort war die, zumindest gefühlt, überwiegende Zahl der Aussteller damit beschäftigt an Smartboards (ein Bsp.: HIER) usw. neue digitale Spielereien vorzuführen. Etwas belustigt hat mich allerdings, dass es auch jetzt noch zu viele Anbieter gibt die denken, dass es ausreichen würde das alte Schulbuch als Ebook ans Smartboard zu werfen, um ein bißchen daran rumzudrücken. U.a. die Anbieter des Diercke Weltatlas hatten da schon sehr viel schönere Sachen zu bieten. Ich muss, wenn ich mir alles noch mal vergegenwärtige, doch sagen: der Berufsstand der Lehrerinnen und Lehrer ist ein Berufsstand, der sehr in Bewegung ist.

In den weiteren Hallen hatte ich dann das Gefühl mich zur Buchmesse verlaufen zu haben. Die Großverlage Westermann, Schroedel, Diesterweg, Schöningh und Winklers, die ja nun unter dem Namen „Bildungshaus Schulbuchverlage“ einen neuen Onlineschulbucholigarchen betreiben, oder wie sie es selbst formulieren:

Schulbuchzentrum-Online ist die markenübergreifende Internetplattform der Verlage Westermann, Schroedel, Diesterweg, Schöningh, Winklers – Hier finden Sie das übergreifende Produktangebot der Verlage auf einen Blick.
(Quelle: Bildungshaus Schulbuchverlage Westermann Schroedel Diesterweg Schöningh Winklers GmbH – Homepage)

waren allgegenwärtig.

Insgesamt ist der Titel Bildungsmesse aber irgendwie viel zu groß. Bibliothekstage sind meiner Ansicht nach sehr viel angenehmer organisiert, mit mehr Fortbildungsprogramm und einem insgesamt größeren Mehrwert für die beteiligten Personengruppen.

Eine letzte Sache noch: es gab dort Unmengen an Material zu Medien- oder Infokompetenz (was auch immer man nun genau darunter jeweils versteht). Dieses Material ist zum größten Teil sehr sehr schick aufgearbeitet und präsentiert. Da müssen sich Bibliotheken strecken um an diese Professionalität der Verlage heranzukommen. Ein persönliches, altbekanntes aber immer wieder tolles, Highlight war dann abschließend:

klicksafe ist eine Sensibilisierungskampagne zur Förderung der Medienkompetenz im Umgang mit dem Internet und neuen Medien im Auftrag der Europäischen Kommission. Aktionsfelder des Projektes sind Inhalte/ Qualifikation, Kampagne/ Marketing sowie die Vernetzung bundesweit mit Partnern und Akteuren.
(Quelle: Homepage von klicksafe)

Die Gesamtheit und Qualität der (kostenlosen!!!) Arbeitsmaterialien ist einfach überragend und eigentlich für jede Bibliothek ein muss.

DonBib

Aus gegebenem Anlass

In Zettelkasten am 13. Februar 2012 um 07:55

Dazu drei mal Infos:

DonBib

Ich möchte gerne in einer Bibliothek arbeiten

In Zettelkasten am 7. Februar 2012 um 10:39

Mit diesen Worten suchte gestern wohl jemand nach Informationen über die Arbeit in Bibliotheken und landete auf diesem wunderschönen Blog. Eigentlich hatte ich nun überlegt es einfach nur so zu posten, vielleicht mit einem Augenzwinkern. Dann habe ich aber noch mal überlegt, womit wir eigentlich für Bibliotheken werben. Hinzu kam dann noch eine Dokumentation des WDR: „Lass dich verführen – Warum wir kaufen, was wir kaufen“ (ein Film von Nicola Graef), die ich vor einigen Tagen in der ARD Mediathek gesehen habe.

Dort wurden zum Teil sehr interessante Fragen gestellt, die vor allem auch auf Bibliotheken ausgerichtet und umformuliert spannend sind:

  • Was verbindet man mit Bibliotheken?
  • Welchen Stellenwert besitzen Bibliotheken im Alltag?
  • Welches Lebensgefühl „verkaufen“ wir?
  • Wie unterscheidet sich die Wahrnehmung von Bibliotheken in verschiedenen Altersgruppen?
  • Werden Emotionen mit Bibliotheken verbunden?

Alles altbekannte Fragen, auf die es bereits einige Texte, Ideen und Konzepte als Antwort gibt. Andererseits ist festzuhalten, und Barbara Schleihagen hat es in ihrem Vortrag beim Bibliotheksleitertag (der Name ist und bleibt dämlich und überholt) 2012 am 11. Oktober 2011 in Frankfurt erneut benannt:

„vier Fünftel der Einwohner der BRD über 14 Jahre nutzen keine Bibliotheken (mehr) [„Lesen in Deutschland 2008“]“
(Quelle: bibliotheksleitertag.de, der Vortrag als PDF findet sich HIER)

Insofern kann man durchaus feststellen, dass es bis heute keine gute und einheitliche Wahrnehmung der „Marke“ Bibliothek gibt. Ich sehe es als gegeben, dass wir dies ändern müssen um nicht im Rahmen verschiedener Kürzungsorgien am Staatshaushalt immer der erste Ansatzpunkt für den Rotstift zu sein. Ein Markenkern der „nur“ aus der Bereitstellung von Informationen und der Vermittlung von Recherchekompetenzen besteht wird nicht reichen. Man muss also, im Rahmen der Diskussion um das Verständnis von Bibliotheken als Bildungseinrichtung, das ganze Konstrukt Bibliothek weiter denken, vielleicht z.B.:

  • VHS und Bibliothek nicht nur unter einem Dach sondern in einer Institution
  • Sozialarbeit in, aus und durch Bibliotheken
  • Demokratiepädagogik in Bibliotheken
  • usw.

Klingt nach viel Arbeit, ist es auch. Ich persönlich (nicht alleine) beschäftige mich mit dem dritten Punkt der Aufzählung und hoffe zum Bibliothekstag 2012 schon ein bißchen präsentieren zu können.

Für Interessierte hier noch ein ganz kleiner Hinweis auf ein paar interessante Texte zur Marke Bibliothek:

  • Elkle Bernsee: Bibliothek als Marke : Chancen und Problemfelder des identitätsorientierten Markenmanagments (PDF)
  • Frauke Schade: Markenkommunikation für Öffentliche Bibliotheken (Vortrag, PDF)
  • Babara Schleihagen: Studie zu Gründen und Ursachen der Nichtnutzung von Bibliotheken (Vortrag, PDF)
  • Interview mit der IFLA-Präsidentin Claudia Lux und der BID-Sprecherin Barbara Lison: Marke „Bibliothek“: Kunden sind unsere Lobbyisten (PDF)

DonBib

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